Schweizer Bundeshaus in Bern mit wehender Schweizer Flagge

Die Schweiz hat ein besonderes Verhältnis zum Glücksspiel. Während andere Länder ihre Markte liberalisieren und private Anbieter willkommen heissen, geht die Eidgenossenschaft seit jeher einen eigenen Weg. Dieser Weg hat am 1. Januar 2019 eine entscheidende Wendung genommen, als das neue Bundesgesetz über Geldspiele in Kraft trat. Seitdem ist nichts mehr so, wie es einmal war. Wer heute in der Schweiz auf Fussball, Eishockey oder Tennis wetten möchte, bewegt sich in einem rechtlichen Rahmen, der zu den strengsten in ganz Europa gehört.

Das Geldspielgesetz, kurz BGS, ist mehr als nur ein bürokratisches Regelwerk. Es ist der Ausdruck einer politischen Grundhaltung, die Glücksspiel als potenziell gefährliche Aktivitat betrachtet und entsprechend kontrollieren möchte. Für Schweizer Wettfreunde bedeutet das konkret: weniger Auswahl, aber mehr Sicherheit. Ob dieser Tausch fair ist, darüber lässt sich trefflich streiten. Unstrittig ist hingegen, dass jeder, der in der Schweiz wettet oder wetten möchte, die Grundzüge dieses Gesetzes kennen sollte. Denn Unwissenheit schützt bekanntlich vor Strafe nicht, und auch wenn Spieler selbst nicht im Fokus der Behörden stehen, können die Konsequenzen einer Missachtung der Regeln unangenehm sein.

In diesem Artikel tauchen wir tief in die Materie ein. Wir erklären, warum das Gesetz überhaupt zustande kam, welche Ziele es verfolgt und wie es den Alltag von Wettern beeinflusst. Die Rolle der Aufsichtsbehörden kommt genauso zur Sprache wie die umstrittenen Netzsperren, die ausländische Anbieter aus dem Schweizer Markt drangen sollen. Am Ende werden Sie nicht nur wissen, was erlaubt ist und was nicht, sondern auch verstehen, warum die Schweiz diesen Weg gewahlt hat.

Die Entstehung des Geldspielgesetzes

Um das heutige Geldspielgesetz zu verstehen, muss man einen Blick in die Vergangenheit werfen. Die Geschichte beginnt nicht erst 2018 oder 2019, sondern reicht viel weiter zurück. Die Schweiz reguliert Glücksspiele nämlich schon seit über einem Jahrhundert, und die Grundprinzipien haben sich seitdem erstaunlich wenig verändert.

Das Lotteriegesetz von 1923 war jahrzehntelang die rechtliche Grundlage für Lotterien und Sportwetten in der Schweiz. Es stammte aus einer Zeit, als Glücksspiel noch etwas war, das man am Kiosk oder im Casino betrieb, nicht am heimischen Computer. Parallel dazu gab es seit 1998 das Spielbankengesetz, das die Casinos regulierte. Zwei Gesetze für zwei Welten, die lange Zeit getrennt existierten.

Mit dem Aufkommen des Internets änderte sich alles. Plötzlich könnten Schweizer bei ausländischen Anbietern wetten, ohne das Haus zu verlassen. Die bestehenden Gesetze waren für diese neue Realitat schlicht nicht gemacht. Es entstand eine rechtliche Grauzone, in der internationale Buchmacher frei operieren könnten, während die einheimischen Anbieter an strenge Regeln gebunden waren. Eine Situation, die weder fair noch nachhaltig war.

Stimmzettel und Wahlurne bei einer Schweizer Volksabstimmung

Der erste Schritt zur Reform kam am 11. Marz 2012, als das Schweizer Volk einen neuen Verfassungsartikel zu den Geldspielen annahm. Dieser Artikel schuf die Grundlage für eine umfassende Neuordnung des Marktes. Er legte fest, dass der Bund Vorschriften über Geldspiele erlassen kann und dass die Kantone für Bewilligung und Beaufsichtigung zuständig sind, soweit das Gesetz nichts anderes vorsieht.

Was folgte, waren Jahre intensiver politischer Debatten. Die Frage, wie der Online-Markt reguliert werden sollte, spaltete die Geister. Auf der einen Seite standen jene, die eine Liberalisierung nach europäischem Vorbild forderten. Sie argumentierten, dass ein offener Markt mit mehreren lizenzierten Anbietern mehr Wettbewerb und bessere Angebote für die Konsumenten bringen wurde. Auf der anderen Seite standen die Befürworter eines geschlossenen Systems, die auf Spielerschutz und die Finanzierung gemeinnütziger Zwecke pochten.

Am Ende setzte sich die zweite Gruppe durch. Der Bundesrat legte einen Gesetzesentwurf vor, der das bestehende Monopolsystem im Wesentlichen beibehielt und um Online-Angebote erweiterte. Ausländische Anbieter sollten durch Netzsperren vom Markt ferngehalten werden. Dieser Entwurf war umstritten, besonders die Netzsperren stiessen auf heftige Kritik.

Die Volksabstimmung vom 10. Juni 2018

Die Gegner des Gesetzes ergriffen das Referendum. Eine bunte Koalition aus Jungparteien, Digitalburgerechtlern, liberalen Politikern und Vertretern der Internetwirtschaft sammelte die nötigen Unterschriften, um eine Volksabstimmung zu erzwingen. Ihr Hauptargument: Die Netzsperren seien ein Einstieg in die Internet-Zensur und könnten einen Prazedenzfall für weitere Einschränkungen schaffen.

Der Abstimmungskampf war hitzig. Die Befürworter des Gesetzes betonten den Schutz vor Spielsucht und die Sicherung der Einnahmen für Sport und Kultur. Sie argumentierten, dass die Schweiz ihre eigenen Regeln durchsetzen musse und nicht tatenlos zusehen konne, wie ausländische Anbieter den Markt überschwemmen. Die Gegner warnten vor einem Dammbruch und malten das Schreckgespenst einer Schweiz, die nach chinesischem Vorbild das Internet zensiert.

Am 10. Juni 2018 sprach das Volk ein deutliches Urteil. Mit 72,9 Prozent Ja-Stimmen würde das Geldspielgesetz angenommen. Die Befürworter hatten auf ganzer Linie gewonnen. Die Stimmbeteiligung lag bei 33,8 Prozent, was für ein Thema dieser Art durchaus respektabel ist. Kein einziger Kanton lehnte die Vorlage ab.

Das Ergebnis war ein klares Mandat für den eingeschlagenen Weg. Die Schweizer Bevölkerung hatte entschieden, dass Spielerschutz und die Kontrolle des Marktes wichtiger sind als ein maximal offenes Internet. Ob alle Stimmenden die Details des Gesetzes kannten, sei dahingestellt. Aber die Grundrichtung war klar: Die Schweiz wollte ihr eigenes Modell für Geldspiele, auch wenn das bedeutete, ausländische Anbieter auszusperren.

Die vier Säulen des Geldspielgesetzes

Das Geldspielgesetz verfolgt vier zentrale Ziele, die sich wie ein roter Faden durch alle Bestimmungen ziehen. Diese Ziele sind nicht nur Lippenbekenntnisse, sondern haben konkrete Auswirkungen auf die Regulierung und den Alltag von Spielern und Anbietern.

Das erste und wohl wichtigste Ziel ist der Schutz der Bevölkerung vor den Gefahren des Geldspiels. Spielsucht ist ein reales Problem, das in der Schweiz schätzungsweise 120.000 Menschen betrifft. Das Gesetz verpflichtet alle Anbieter, wirksame Massnahmen zum Spielerschutz zu ergreifen. Dazu gehören Einzahlungslimits, Verlustgrenzen, Selbstsperrmöglichkeiten und die Früherkennung problematischen Spielverhaltens.

Das zweite Ziel ist die Gewahrleistung eines sicheren und transparenten Spielbetriebs. Wer wettet, soll darauf vertrauen können, dass alles mit rechten Dingen zugeht. Das bedeutet, dass die Anbieter ihre Systeme gegen Manipulation schützen müssen, dass die Quoten fair kalkuliert werden und dass Gewinne zuverlässig ausgezahlt werden. Die Aufsichtsbehörden überwachen die Einhaltung dieser Standards.

Beratungsgesprach zwischen zwei Personen in einem hellen Buro

Das dritte Ziel betrifft die Verwendung der Spielertrage für gemeinnützige Zwecke. In der Schweiz ist dies sogar in der Verfassung verankert. Die Nettoertrage aus Lotterien und Sportwetten müssen vollumfänglich für Sport, Kultur und soziale Projekte verwendet werden. Dieses Prinzip unterscheidet die Schweiz fundamental von Ländern, in denen private Anbieter die Gewinne an Aktionare ausschütten.

Das vierte Ziel ist die Bekampfung von Geldwascherei und Spielmanipulation. Sportwetten sind anfällig für kriminelle Aktivitaten, und das Gesetz sieht strenge Massnahmen vor, um dies zu verhindern. Die Anbieter müssen verdachtige Transaktionen melden, und das Wettangebot wird eingeschränkt, um das Risiko von Spielmanipulation zu minimieren.

Diese vier Ziele stehen manchmal in Spannung zueinander. Maximaler Spielerschutz könnte beispielsweise bedeuten, Sportwetten ganz zu verbieten, was aber die Einnahmen für gemeinnützige Zwecke eliminieren wurde. Das Gesetz versucht, einen Ausgleich zu finden, der alle Ziele berücksichtigt.

Grossspiele und Kleinspiele

Das Geldspielgesetz unterscheidet zwischen verschiedenen Kategorien von Spielen, und diese Unterscheidung ist entscheidend für das Verstandnis der Regulierung. Die wichtigste Trennlinie verlauft zwischen Grossspielen und Kleinspielen.

Grossspiele sind Lotterien, Sportwetten und Geschicklichkeitsspiele, die automatisiert, interkantonal oder online durchgeführt werden. Diese Spiele durfen in der Schweiz ausschliesslich von den beiden interkantonalen Lotteriegesellschaften angeboten werden: Swisslos für die Deutschschweiz, das Tessin und Liechtenstein, sowie die Loterie Romande für die Westschweiz. Es gibt keine Möglichkeit für private Anbieter, eine Lizenz für Grossspiele zu erhalten. Das System ist ein staatliches Monopol, das bewusst so gestaltet wurde.

Kleinspiele hingegen sind lokale Veranstaltungen mit begrenztem Umfang. Dazu gehören Tombolas bei Vereinsfesten, kleine Pokerturniere oder Sportwetten, die direkt am Ort eines Sportereignisses stattfinden. Diese Spiele unterliegen der kantonalen Aufsicht und können von verschiedenen Veranstaltern durchgeführt werden. Die Regeln sind weniger streng, weil das Gefahrenpotenzial als geringer eingeschatzt wird.

Für Sportwetten bedeutet diese Unterscheidung konkret: Online-Sportwetten sind Grossspiele und durfen nur von Sporttip (Swisslos) und Jouez Sport (Loterie Romande) angeboten werden. Wetten an einem Pferderennbahn hingegen können als Kleinspiel eingestuft werden und unterliegen anderen Regeln.

Diese Kategorisierung ist nicht unumstritten. Kritiker argumentieren, dass die Unterscheidung künstlich ist und vor allem dazu dient, das Monopol der Lotteriegesellschaften zu schützen. Befürworter hingegen betonen, dass Online-Spiele ein höheres Suchtpotenzial haben und daher strenger reguliert werden müssen.

Die Aufsichtsbehörden

Die Durchsetzung des Geldspielgesetzes liegt in den Handen mehrerer Behörden, die unterschiedliche Zuständigkeiten haben. Das System ist komplex, spiegelt aber die föderale Struktur der Schweiz wider.

Die interkantonale Geldspielaufsicht Gespa ist für die Beaufsichtigung der Grossspiele zuständig. Das bedeutet, sie überwacht Swisslos und die Loterie Romande sowie deren Online-Angebote Sporttip und Jouez Sport. Die Gespa prüft, ob die Anbieter die gesetzlichen Vorgaben einhalten, insbesondere in Bezug auf Spielerschutz, Geldwaschereibekampfung und faire Spielbedingungen. Sie hat weitreichende Befugnisse und kann bei Verstössen Sanktionen verhangen.

Die Eidgenössische Spielbankenkommission ESBK ist hingegen für die Casinos zuständig, sowohl für die landbasierten als auch für die Online-Casinos, die von konzessionierten Spielbanken betrieben werden. Die ESBK vergibt die Konzessionen und überwacht deren Einhaltung.

Beide Behörden arbeiten bei der Durchsetzung der Netzsperren zusammen. Sie führen gemeinsam eine Sperrliste mit Websites ausländischer Anbieter, die in der Schweiz nicht zugelassen sind. Diese Liste wird regelmässig aktualisiert und an die Internetprovider weitergeleitet, die den Zugang zu den aufgeführten Seiten blockieren müssen.

Die kantonalen Behörden schliesslich sind für die Beaufsichtigung der Kleinspiele zuständig. Sie erteilen Bewilligungen für Tombolas, kleine Pokerturniere und ähnliche Veranstaltungen. Die Regeln unterscheiden sich von Kanton zu Kanton, was zu einer gewissen Unübersichtlichkeit führt.

Die Netzsperren

Laptop mit Weltkarte und Netzwerkverbindungen in einem modernen Buro

Kein Aspekt des Geldspielgesetzes hat so viel Aufmerksamkeit erregt wie die Netzsperren. Sie waren das zentrale Streitthema im Abstimmungskampf und bleiben bis heute umstritten. Um zu verstehen, worum es geht, muss man sich anschauen, wie diese Sperren technisch funktionieren und welche Grenzen sie haben.

Die Schweiz verwendet sogenannte DNS-Sperren. DNS steht für Domain Name System und ist im Wesentlichen das Telefonbuch des Internets. Wenn Sie eine Webadresse wie bet365.com eingeben, fragt Ihr Computer einen DNS-Server, welche IP-Adresse zu dieser Adresse gehört. Bei einer DNS-Sperre wird diese Anfrage blockiert, sodass Ihr Computer die Seite nicht finden kann.

Die Gespa und die ESBK führen eine gemeinsame Sperrliste, auf der mittlerweile über hundert Domains stehen. Bekannte Namen wie bet365.com, bwin.com, interwetten.com oder unibet.com finden sich darauf. Wenn eine neue Domain auf die Liste gesetzt wird, haben die Schweizer Internetprovider funf Tage Zeit, die Sperre umzusetzen. Nutzer, die versuchen, eine gesperrte Seite aufzurufen, werden auf eine Informationsseite weitergeleitet, die erklart, warum der Zugang nicht möglich ist.

Die Wirksamkeit dieser Sperren ist begrenzt. DNS-Sperren gelten als die schwachste Form der Internet-Zensur und lassen sich mit minimalem technischem Aufwand umgehen. Ein VPN-Dienst, der den Internetverkehr über einen Server im Ausland leitet, macht die Sperre wirkungslos. Solche VPNs sind legal, gunstig und in wenigen Minuten eingerichtet. Auch das Ändern der DNS-Einstellungen auf dem eigenen Gerat kann ausreichen, um die Sperre zu umgehen.

Die Behörden wissen das. Sie haben sich bewusst für DNS-Sperren entschieden und nicht für wirksamere, aber auch invasivere Methoden wie Deep Packet Inspection. Der Grund: Man wollte ein Zeichen setzen, ohne zu tief in die Kommunikationsfreiheit einzugreifen. Die Sperren sollen vor allem Gelegenheitsnutzer abschrecken, die nicht wissen, wie man sie umgeht. Technisch versierte Nutzer können weiterhin auf ausländische Anbieter zugreifen, und das ist auch nicht illegal.

Was ist erlaubt, was ist verboten?

Die rechtliche Situation für Schweizer Spieler ist nuancierter, als viele denken. Das Geldspielgesetz richtet sich in erster Linie gegen die Anbieter, nicht gegen die Spieler. Das hat konkrete Auswirkungen darauf, was erlaubt ist und was nicht.

Erlaubt ist, bei den zugelassenen Schweizer Anbietern zu spielen. Das sind Sporttip und Jouez Sport für Sportwetten sowie die Online-Casinos der konzessionierten Spielbanken. Diese Anbieter haben eine Schweizer Bewilligung und unterliegen der Aufsicht der zuständigen Behörden.

Verboten ist, in der Schweiz ohne Bewilligung Geldspiele anzubieten. Ausländische Buchmacher, die Schweizer Kunden akzeptieren, machen sich strafbar. Sie können mit Bussen belegt werden, und ihre Domains landen auf der Sperrliste.

Nicht strafbar ist hingegen das Spielen bei nicht zugelassenen ausländischen Anbietern. Das Gesetz sieht keine Strafen für Spieler vor, die bei gesperrten Buchmachern wetten. Die Behörden haben weder das Interesse noch die Kapazitat, Einzelpersonen zu verfolgen. Das bedeutet aber nicht, dass es keine Risiken gibt. Wer bei einem ausländischen Anbieter spielt, hat im Streitfall keine rechtliche Handhabe in der Schweiz. Gewinne können theoretisch beschlagnahmt werden, wenn die Behörden gegen den Anbieter ermitteln. Und die steuerlichen Vorteile des Schweizer Freibetrags gelten nur für Gewinne bei zugelassenen Anbietern.

Diese Unterscheidung zwischen dem Anbieten und dem Spielen ist typisch für die Schweizer Regulierung. Sie spiegelt die Erkenntnis wider, dass es weder praktikabel noch wunschenswert ist, Tausende von Bürgern zu kriminalisieren, nur weil sie auf Sportereignisse wetten.

Die Auswirkungen auf den Markt

Das Geldspielgesetz hat den Schweizer Wettmarkt grundlegend verändert. Die Auswirkungen lassen sich auf verschiedenen Ebenen beobachten.

Für die internationalen Buchmacher war das Inkrafttreten des Gesetzes ein Einschnitt. Die meisten grossen Anbieter haben sich offiziell aus dem Schweizer Markt zurückgezogen. Bet365, Bwin, Tipico und andere haben ihre Websites für Schweizer Nutzer gesperrt, noch bevor die behordlichen Sperren griffen. Der Grund: Sie wollen ihre internationale Reputation nicht durch einen Eintrag auf einer Schwarzen Liste gefährden. Lizenzen in Jurisdiktionen wie Malta oder Grossbritannien erfördern, dass Anbieter die Gesetze anderer Länder respektieren.

Für Sporttip und Jouez Sport hat das Gesetz eine geschützte Marktposition geschaffen. Ohne ausländische Konkurrenz können sie ein breiteres Publikum erreichen, zumindest theoretisch. In der Praxis zeigt sich, dass viele Schweizer Wetter weiterhin zu ausländischen Anbietern abwandern, weil diese bessere Quoten und mehr Wettmarkte bieten. Die DNS-Sperren sind ein Hindernis, aber kein unüberwindliches.

Für die Spieler hat das Gesetz gemischte Auswirkungen. Auf der einen Seite stehen verbesserte Schutzmasnahmen, mehr Transparenz und die Gewissheit, bei einem seriosen Anbieter zu spielen. Auf der anderen Seite stehen eingeschränkte Auswahl, niedrigere Quoten und das Fehlen von Bonusangeboten, wie sie internationale Konkurrenten bieten.

Die gemeinnützigen Empfanger schliesslich profitieren weiterhin von den Erträgen der Lotteriegesellschaften. Allein Swisslos hat 2023 über 176 Millionen Franken an den Schweizer Sport ausgeschuttet. Diese Gelder würden fehlen, wenn der Markt liberalisiert und an private Anbieter vergeben wurde.

Kritik und Verteidigung

Das Geldspielgesetz ist nicht unumstritten, und die Debatte dauert an. Die Kritiker bringen verschiedene Argumente vor.

Das erste Argument betrifft die Wirksamkeit der Netzsperren. Kritiker argumentieren, dass DNS-Sperren so leicht zu umgehen sind, dass sie kaum einen Effekt haben. Die Kosten für Überwachung und Durchsetzung stünden in keinem Verhältnis zum Nutzen. Befürworter entgegnen, dass die Sperren zumindest Gelegenheitsnutzer abschrecken und ein Signal senden, dass die Schweiz ihre Regeln ernst nimmt.

Das zweite Argument betrifft die Qualitat des legalen Angebots. Kritiker monieren, dass Sporttip und Jouez Sport nicht mit internationalen Anbietern mithalten können. Die Quoten seien niedriger, die Auswahl kleiner, die Benutzerfreundlichkeit schlechter. Befürworter halten dagegen, dass die Qualitat ständig verbessert werde und dass Sicherheit und Spielerschutz wichtiger seien als maximale Quoten.

Das dritte Argument betrifft die Internet-Freiheit. Kritiker sehen in den Netzsperren einen Prazedenzfall, der für weitere Einschränkungen missbraucht werden könnte. Heute Glücksspiel, morgen politische Inhalte? Befürworter betonen, dass es einen fundamentalen Unterschied zwischen dem Sperren illegaler kommerzieller Angebote und politischer Zensur gibt.

Das vierte Argument betrifft den Wettbewerb. Kritiker argumentieren, dass das Monopolsystem Innovation verhindert und den Konsumenten schadet. Ein offener Markt mit mehreren lizenzierten Anbietern würde bessere Angebote hervorbringen. Befürworter verweisen auf das verfassungsmässig verankerte Prinzip, dass Spielertrage für gemeinnützige Zwecke verwendet werden müssen, was mit einem privaten Anbietermodell schwer vereinbar sei.

Diese Debatte wird weitergehen. Das Geldspielgesetz ist kein statisches Dokument, sondern wird regelmässig evaluiert und bei Bedarf angepasst. Die nächste grosse Evaluation steht 2029 an, zehn Jahre nach Inkrafttreten des Gesetzes.

Praktische Konsequenzen für Wettfreunde

Was bedeutet das alles konkret für Sie, wenn Sie in der Schweiz Sportwetten platzieren möchten? Die wichtigsten Punkte lassen sich wie folgt zusammenfassen.

Wenn Sie auf der sicheren Seite sein wollen, nutzen Sie die legalen Anbieter Sporttip oder Jouez Sport. Ihr Konto ist bei einem Schweizer Unternehmen, Ihre Gewinne sind bis zum Freibetrag steuerfrei, und im Streitfall gilt Schweizer Recht. Der Nachteil: Die Quoten sind tendenziell niedriger, und die Auswahl an Wettmarkten ist begrenzt.

Wenn Sie bei ausländischen Anbietern spielen möchten, ist das technisch möglich und nicht strafbar. Sie bewegen sich aber in einer rechtlichen Grauzone mit Risiken: keine rechtliche Handhabe bei Problemen, keine Steuervorteile, und die theoretische Möglichkeit, dass Gelder bei Ermittlungen eingefroren werden.

Unabhängig davon, wo Sie spielen, sollten Sie Ihre Wetten dokumentieren. Eine einfache Tabelle mit Datum, Ereignis, Einsatz und Ergebnis genügt. Diese Dokumentation ist nicht nur für die Steuererklärung nützlich, sondern auch für Ihre persönliche Bilanz. Viele Wetter unterschätzen, wie viel Geld sie im Laufe eines Jahres tatsächlich einsetzen.

Nutzen Sie die Spielerschutzmassnahmen, die die legalen Anbieter bieten. Einzahlungslimits und Verlustgrenzen sind keine Zeichen von Schwache, sondern vernunftige Werkzeuge, um das Wetten als Unterhaltung zu geniessen und nicht zur Last werden zu lassen.

Das Geldspielgesetz ist nicht perfekt, aber es schafft einen Rahmen, in dem Sportwetten legal und sicher möglich sind. Die Entscheidung, wie Sie diesen Rahmen nutzen, liegt bei Ihnen.

Die Zukunft der Regulierung

Modernes Smartphone mit Sportwetten-App in einer Hand

Die Schweizer Geldspielregulierung ist kein abgeschlossenes Projekt, sondern ein fortlaufender Prozess. Das Gesetz sieht regelmässige Evaluationen vor, und die Behörden beobachten aufmerksam, wie sich der Markt entwickelt. Verschiedene Faktoren könnten in den kommenden Jahren zu Anpassungen führen.

Die technologische Entwicklung stellt die Regulierung vor neue Herausforderungen. Kryptowahrungen ermöglichen anonyme Transaktionen, die schwer zu überwachen sind. Dezentralisierte Wettplattformen auf Blockchain-Basis operieren ohne zentrale Instanz, die man regulieren könnte. Virtual Reality und das Metaverse eröffnen neue Möglichkeiten für Glücksspielangebote, die in keine der bestehenden Kategorien passen. Die Behörden werden ihre Strategien anpassen müssen, um mit diesen Entwicklungen Schritt zu halten.

Auch der internationale Kontext spielt eine Rolle. Die Europäische Union hat bisher keine einheitliche Glücksspielregulierung durchgesetzt, aber der Druck in diese Richtung wachst. Sollte sich auf europäischer Ebene ein gemeinsamer Rahmen entwickeln, müsste die Schweiz entscheiden, ob und wie sie sich daran orientiert. Das bilaterale Verhältnis zur EU könnte auch hier eine Rolle spielen.

Die öffentliche Meinung ist ein weiterer Faktor. Die deutliche Zustimmung zum Geldspielgesetz in der Volksabstimmung 2018 zeigt, dass die Schweizer Bevölkerung mehrheitlich hinter dem restriktiven Ansatz steht. Sollte sich diese Haltung andern, etwa weil die Nachteile des Monopolsystems starker in den Vordergrund rücken, könnte der politische Druck für eine Liberalisierung wachsen.

Die Erfahrungen anderer Länder werden ebenfalls beobachtet. Deutschland hat 2021 seinen Glücksspielmarkt geoffnet und private Anbieter zugelassen. Die Bilanz ist gemischt: Auf der einen Seite mehr Wettbewerb und Vielfalt, auf der anderen Seite Probleme mit der Durchsetzung und Fragen zum Spielerschutz. Die Schweiz wird aus diesen Erfahrungen lernen, ohne sie eins zu eins zu übernehmen.

Spielerschutz als Kernaufgabe

Ein Aspekt, der bei aller Diskussion um Marktordnung und Netzsperren manchmal untergeht, ist der Spielerschutz. Das Geldspielgesetz raumt diesem Thema einen hohen Stellenwert ein, und das aus gutem Grund. Spielsucht ist ein ernstes Problem, das Menschen und Familien zerstoren kann.

Die Zahlen sind ernüchternd. Schätzungen zufolge sind rund 120.000 Menschen in der Schweiz spielsüchtig. Weitere 2,8 Prozent der Bevölkerung gelten als problematische Spieler, die ein erhöhtes Risiko tragen. Diese Menschen brauchen keine besseren Quoten oder mehr Wettmarkte, sondern Hilfe und Schutz.

Das Geldspielgesetz verpflichtet die Anbieter zu umfangreichen Schutzmassnahmen. Sie müssen Systeme zur Früherkennung problematischen Spielverhaltens implementieren. Wenn ein Kunde ungewöhnliche Muster zeigt, etwa plötzlich viel höhere Einsatze tätigt oder nach Verlusten sofort nachladt, muss der Anbieter reagieren. Das kann ein Hinweis auf Hilfsangebote sein, eine vorübergehende Kontosperrung oder die Aufforderung zu einem persönlichen Gesprach.

Die Selbstsperre ist ein wichtiges Instrument. Spieler können sich freiwillig für eine bestimmte Zeit oder dauerhaft von allen zugelassenen Angeboten ausschliessen lassen. Die Daten werden in einem zentralen Register geführt, das verhindert, dass ein gesperrter Spieler einfach bei einem anderen Anbieter weitermacht. Bei ausländischen Buchmachern greift diese Sperre allerdings nicht, was ein weiteres Argument für das Spielen bei den legalen Schweizer Anbietern ist.

Finanziert wird der Spielerschutz unter anderem durch die Spielsuchtabgabe. Swisslos und die Loterie Romande entrichten jährlich 0,5 Prozent ihrer Bruttospielertrage an die Kantone, die damit Praventions- und Beratungsangebote finanzieren. Es ist ein ironischer Kreislauf: Die Gewinne aus dem Glücksspiel finanzieren die Hilfe für jene, die vom Glücksspiel geschadigt werden. Aber es funktioniert, und die Schweiz verfugt über ein dichtes Netz von Suchtberatungsstellen.

Wer Hilfe sucht, findet sie bei SOS Spielsucht und den kantonalen Suchtberatungsstellen. Die Angebote reichen von telefonischer Beratung über persönliche Gesprache bis zu ambulanten und stationaren Therapien. Auch Angehörige von Spielsüchtigen können sich an diese Stellen wenden, denn Spielsucht betrifft selten nur die süchtige Person selbst.

Unterstutzende Hande symbolisieren Hilfe bei der Suchtberatung

Fazit

Das Geldspielgesetz der Schweiz ist ein komplexes Regelwerk, das verschiedene Interessen ausbalancieren muss. Es schützt die Bevölkerung vor den Gefahren des Glücksspiels, sichert die Einnahmen für gemeinnützige Zwecke und schafft einen rechtlichen Rahmen für den Betrieb von Sportwetten und anderen Geldspielen. Gleichzeitig schrankt es die Wahlfreiheit der Konsumenten ein und setzt auf umstrittene Mittel wie Netzsperren.

Für Schweizer Wettfreunde bedeutet das Gesetz in erster Linie eines: Klarheit. Sie wissen, welche Anbieter legal sind und welche nicht. Sie können die Spielerschutzmassnahmen nutzen und haben im Streitfall Zugang zu Schweizer Recht. Das ist mehr, als Spieler in vielen anderen Ländern von sich behaupten können.

Die Frage, ob der Schweizer Weg der richtige ist, lässt sich nicht objektiv beantworten. Es ist eine Frage der Werte und Prioritaten. Wer Wahlfreiheit und Wettbewerb höher gewichtet als staatliche Kontrolle, wird das System kritisieren. Wer Spielerschutz und Gemeinwohlorientierung höher gewichtet als individuelle Freiheit, wird es verteidigen. Die Schweizer Bevölkerung hat 2018 ihre Wahl getroffen. Ob diese Wahl dauerhaft Bestand hat, wird sich zeigen.